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Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg (1 часть)

Dawletschin-Linder, Camilla
Der Islam , Volume 80 (1)
de Gruyter – Jan 1, 2003
Publisher
Walter de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0021-1818
D.O.I.
10.1515/islm.2003.80.1.1

Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Dreiecksverhältnis zwischen deutscher Politik, turanistischen Aspirationen und türkischer Außenpolitik C a m i l l a D awle t s c h i n - L i n d e r (Hamburg) Der Name Bergen-Belsen steht in der Reihe der Vernichtungslager des nationalsozialistischen Deutschland und wird zumeist mit der Ermordung von Juden assoziiert. Doch bereits in den Jahren vor dieser unsäglichen Bestimmung befanden sich in den Wäldern um Bergen-Belsen ,,normale" Kriegsgefangenenlager, in denen nicht weniger grauenvolle Zustände herrschten und Abertausende von Menschen qualvoll zugrunde gingen. Einer der wenigen, die dieses Massensterben überlebten, und darüber hinaus ein schriftliches Zeugnis hinterlassen hat, war der sowjetische Offizier tatarischer Herkunft Tamurbek Dawletschin. Er notierte in seinen Erinnerungen an das Jahr 1942: ,,Endlich hatten wir den Winter hinter uns, die Sonne schien frühlingsmäßig warm, der Schnee schmolz. ... Jetzt war es im Lager ruhig, die Baracken waren leer. Nur ein paar Gruppen von Leuten mit Holzschuhen, die ihnen ausgegeben worden waren, nachdem man ihnen ihre eigenen Schuhe im zeitigen Frühling nach dem Fluchtversuch zweier Gefangener aus dem Lager abgenommen hatte, schritten langsam zur Küche. Die übrigen achtzehntausend ruhten in den Massengräbern im Wald, sie erholten sich im ewigen Schlaf, der sie von den Leiden befreite. ... Es wurde Mai. Der Typhus im Lager hörte auf. Die am Leben gebliebenen Gefangenen warteten auf die Absendung zur Arbeit. Schließlich begann die Weiterbeförderung von kleinen Gruppen, auch ich wurde einer zugeteilt. Früh am Morgen verließen wir das Lager, ich wusste nicht wohin, noch was uns erwartete. Aus Bergen-Belsen brachte man uns mit dem Zug in ein Kriegsgefangenenlager in der Nähe von Berlin, das man Wuhlheide nannte. ... Eines Tages kam ein türkischer Staatsangehöriger ins Lager, ein junger Mann, der von Kasantataren abstammte und in Berlin gerade sein Studium beendet hatte. Er unterhielt sich eine Zeit lang mit uns Tataren über alles mögliche, erkundigte sich nach den Lebensbedingungen der Gefangenen und ging dann wieder. Der Islam Bd. 80, S. 1-29 © Walter de Gruyter 2003 ISSN 0021-1818 Camilla Dawletschin-Linder Knapp einen Monat nach meinem Eintreffen in Wuhlheide wurden eines Tages unvermutet vier Tataren mit ihren Kriegsgefangenennummern aufgerufen und mit ihren Sachen auf die Kommandantur beordert. An jenem Tag wurden der Moskauer Journalist Achmed Simajew, zwei andere Tataren und ich nach Berlin gebracht und dort aus der Kriegsgefangenenschaft entlassen. Uns Freigelassenen gab man einen Pass mit dem Aufenthaltsrecht in Berlin."1 Der Autor dieser Erinnerungen war zu Kriegsbeginn Juraprofessor an der Universität Kazan und wurde, obwohl er bereits über 35 Jahre alt war und keinerlei militärische Ausbildung hatte, gemäß Stalins Politik, die Intelligenzija der nationalen Minderheiten auszuschalten, am 21. Juni 1941 eingezogen. Am 13. August 1941 geriet er in der Nähe von Nowgorod in deutsche Gefangenschaft. Wie ein Wunder mutet es an, dass der Schreiber diese Zeilen nach dem Krieg niederlegen konnte. Wie im Folgenden zu sehen sein wird, waren seine Überlebenschancen im Sommer 1941 äußerst gering. 1. Die Lage der sowjetischen Kriegsgefangenen in den ersten Monaten nach dem Angriff auf die Sowjetunion Über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland im Zweiten Weltkrieg war lange Zeit nicht viel bekannt, erst in den siebziger Jahren haben sich einige wenige Wissenschaftler bemüht, dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aufzuhellen. Nicht zuletzt lag dies auch am Widerstand der Militärhistoriker und all jener, die nicht allzu genau wissen wollten, inwieweit die deutsche Armee in Aktionen involviert war, die weit entfernt waren vom militärischen Ehrenkodex des preußischen Ideals. Tatsächlich waren die Armee und ihre Führung direkt verstrickt in die Hitlersche Kriegspolitik gegenüber der Sowjetunion, in der vor allem ein verblendeter Hass und eine abgrundtiefe Menschenverachtung gegenüber der slawischen Bevölkerung dominierte. Bestimmend für das besonders grausame Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg waren mehrere Faktoren. Zum Ersten war die Anzahl der sowjetischen Soldaten, die in deutsche Hand ) Der gesamte Text der russisch geschriebenen Erinnerungen, die detailgetreu die Monate in deutschen Lagern von Porochow über Riga, Tilsit und Bergen-Belsen bis Wuhlheide schildern, ist im Besitz der Verfasserin und wird gerade in deutscher Übersetzung zur Publikation vorbereitet. Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg fielen, zwar nicht unerwartet, aber dennoch überwältigend: Am 6. August 1941 meldete das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) bereits 895000 Gefangene, am 22. August waren es 1,25 Mio.2 Bis zum Ende des Jahres 1941 befanden sich etwa 3,3 Mio. sowjetische Kriegsgefangene in deutschen Lagern.3 Am Ende des Krieges hatte sich die Gesamtzahl auf 5,7 Mio. erhöht, von denen etwa 3,3 Mio. umgekommen waren.4 Das Oberkommando der deutschen Wehrmacht hatte - nicht ohne Absicht, wie CHRISTIAN STREIT nachweist5 - völlig unzureichende Vorbereitungen getroffen, um die große Zahl der Gefangenen zu internieren. Die Armee ging von einem Blitzkrieg und -sieg über die Sowjetunion aus. Man rechnete zwar mit vielen Gefangenen in den ersten Wochen, aber man machte sich keine Gedanken über deren weiteren Verbleib, vor allem nicht für die Zeit der sich verschlechternden Witterungsverhältnisse, denn bis zum Herbst, so glaubte man, würde das sowjetische Reich zusammengebrochen sein. Damit hätte sich das Problem der Unterbringung der Gefangenen von selbst gelöst. Die Unterversorgung der sowjetischen Kriegsgefangenen in jeglicher Hinsicht war aber auch das Ergebnis der bereits in der Wehrmacht und im Heer verinnerlichten nationalsozialistischen Propaganda, die schon vor dem Juni 1941 den Hungertod eines großen Teils der Bevölkerung der Sowjetunion in die Planungen der Kriegsführung und in die Kriegsziele mit einbezog. Der entvölkerte Raum sollte dann dem deutschen Volk als neuer ,,Lebensraum" dienen. Von Hitler selbst war bekannt, dass er das Verhungern und Erfrieren der Kriegsgefangenen wünschte, um deren Millionenzahl zu reduzieren.6 Dazu kommt aum Zweiten, dass die deutsche Propaganda die Menschen aus der Sowjetunion als Untermenschen dargestellt hatte, um die Motivation für de*i Feldzug und die Kriegsziele zu steigern. Das erleich) Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte. Bd. XVII Das Dritte Reich, herausgegeben von H. MICHAELIS, E: SCHBAEPLEB u. G. SCHEEL, Berlin o. J., 368f. 3 ) C. STBEIT, Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945, Bonn 1991, 128 Fußnote 2. 4 ) ebd. 21 5 ) ebd. 72 ff. 6 ) O. Bräutigam berichtet in seinen Memoiren, dass diese Kenntnis Minister B-osenberg zögern ließ, sich für die Abhilfe der Missstände in den Kriegsgefangenenlagern einzusetzen, da er den Zorn Hitlers fürchtete. 0. BBÄUTIGAM, So hat es sich zugetragen ... Ein Leben als Soldat und Diplomat, Würzburg 1968, 456. Camilla Dawletschin-Linder terte es allen Angehörigen der deutschen Armee, entgegen ihres vielleicht noch vorhandenen soldatischen Ehrgefühls, sowjetische Kriegsgefangene nicht nach den Regeln der soldatischen Tradition und Fairness zu behandeln. Zudem war das deutsche Kriegsziel ja nicht nur, Raum - vor allem Wirtschaftsraum im Osten - zu erobern, sondern gleichermaßen, das sowjetische politische System, den sog. jüdischen Bolschewismus, für immer zu zerstören. Sowjetische politische Funktionsträger, die sog. Kommissare, wurden ebenso wie Juden von vorneherein ausgesondert und sofort erschossen. Zum Dritten litten die sowjetischen Kriegsgefangenen auch unter der Tatsache, dass die Sowjetunion die Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen von 1929 nicht ratifiziert hatte. Das war für die deutsche Seite noch zusätzlich eine willkommene Rechtfertigung, auf die sowjetischen Kriegsgefangenen keine kriegsvölkerrechtlichen Bestimmungen anzuwenden. Sowjetische Soldaten waren eben ,,keine Kameraden", wie STREIT es in Anlehnung an Hitlers Ausspruch formulierte und dies wurde - zumindest in den Anfangsmonaten - von den deutschen Armeeangehörigen auch so akzeptiert. Die Sowjetunion ließ im September 1941, nachdem das Ausmaß des Elends ihrer Gefangenen deutlich wurde, mitteilen, sie wolle die Haager Landkriegsverordnung anwenden. Dies wurde vom OKW abgelehnt und von Hitler kategorisch ausgeschlossen mit der Begründung, erst sollten die Russen beweisen, dass sie die deutschen Kriegsgefangenen gut behandelten. Man sah sich von deutscher Seite nicht zu einem ausgleichenden Handeln gezwungen, da bis zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenige deutsche Soldaten in gegnerische Kriegsgefangenschaft geraten waren und der Krieg ja sowieso bald zu Ende sein sollte. Auch weitere Versuche des Internationalen Roten Kreuzes, die Betreuung der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland zu übernehmen, wurden abschlägig beschieden. Diese Faktoren trugen neben anderen dazu bei, dass die Behandlung und Versorgung der sowjetischen Kriegsgefangenen weit hinter der Behandlung z. B. polnischer oder französischer Gefangener zurückblieb und nicht anders als unmenschlich zu bezeichnen war. So kam es, abgesehen von den sofortigen Erschießungen vor Ort, von Juden, Kommissaren und all jenen, die sich irgendwie störend verhielten, neben den zahlreichen Toten aus Erschöpfung während der Elendsmärsche und beim Transport über Tausende von Kilometern bis in Lager auf deutschem Reichsgebiet, zu einem unvorstellbaren Massensterben russischer Kriegsgefangener auf deutschem Boden im Herbst und Winter 1941/42. Besonders in den Lagern, in denen Flecktyphus ausbrach, wie im oben geschilderten Fall in Bergen-Belsen, wobei die Epidemie an sich nur Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg ein Ausdruck für die menschenunwürdigen hygienischen Zustände, die unzureichende Verpflegung und die gänzlich fehlende medizinische Versorgung war, überlebte nur ein Bruchteil der Gefangenen den Winter. Für Bergen-Belsen kennen wir die genaue Zahl, da Tamurbek Dawletschin nach eigenen Aussagen die Kranken- und Todeslisten führte und berichtete, dass er im Frühjahr des Jahres 1942 bei der Nummer 18000 angekommen war. Bereits im September 1941 jedoch begann der Prozess des Umdenkens in Bezug auf die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen, der gegen Ende desselben Jahres, als sich abzuzeichnen begann, dass die Blitzkriegsstrategie nicht aufgegangen war und man sich auf einen längeren Krieg einrichten musste, zu einer Kehrtwendung in der Politik gegenüber den sowjetischen Gefangenen führte. Die Überlegungen gingen nun dahin, sie im Reich als Arbeitskräfte einzusetzen. Der Arbeitskräftemangel, der dadurch entstanden war, dass die Soldaten viel länger als geplant im Felde blieben, machte sich in Deutschland sehr deutlich bemerkbar, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Bergbau und in der Industrie. Zwar wurden nun auch verstärkt Frauen im Produktionsprozess eingesetzt, doch widersprach dies ja eigentlich der nationalsozialistischen Ideologie. Um die sowjetischen Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte einsetzen zu können, musste man sie jedoch besser versorgen, zunächst musste ihre Arbeitskraft erst wiederhergestellt werden. Das bedeutete bessere und umfangreichere Ernährung und besseren Schutz gegen Wind und Wetter. Dieses Ziel konnte inzwischen schon deshalb eher erreicht werden, als bereits ein hoher Prozentsatz der Gefangenen umgekommen war und daher mehr Mittel zur Verfügung standen. Auch wurden Überlegungen angestellt, Gefangene, die sich freiwillig bereiterklärten, auf deutscher Seite zu kämpfen, zu entlassen. Für Hunderttausende von Kriegsgefangenen wurden jedoch die gründlichen bürokratischen Überlegungen, die langwierige Auswahl und Abwicklung dieser Vorhaben zur Todesfalle: für sie war es dann im Frühjahr und Sommer 1942 zu spät, als die sowjetischen Gefangenen eine Überiebenschance als Soldat, Arbeiter oder Propagandist auf Naziseite bekamen. Die Zustände in den Lagern wurden durch die Arbeit CHRISTIAN STREITS erstmals ausführlich dokumentiert. Durch die Zugänglichkeit der Archive in der ehemaligen Sowjetunion kann dieser Kenntnisstand nun weiter ergänzt werden. Für das persönliche Schicksal der Gefangenen ist in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung, dass die ethnische Zusammensetzung der Rotarmisten, die ja aus den vielen verschiedenen Völkerschaften der UdSSR rekrutiert waren, eine entscheidende Rolle im deutschen Kalkül und in der Behandlung einzelner Ge- Camilla Dawletschin-Linder fangenengruppen spielte.7 Bereits zu Anfang machten die Deutschen Unterschiede: Gefangene wurden nach ethnischen Gesichtspunkten zusammengefasst, sie wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt und gegeneinander ausgespielt. Dabei galten anfangs die ,,asiatischen" Menschen als besonders minderwertig, vor deren Heimtücke man sich in Acht nehmen musste.8 So stützten sich die Lagerverwaltungen bei der Einrichtung der ,,Lagerpolizei" vor allem auf Ukrainer, denen sie eine Sonderstellung einräumten. Diese Art des ,,teile und herrsche" hatte Erfolg: die ,,Lagerpolizisten" setzten den Gefangenen noch mehr zu, als das deutsche Bewachungspersonal. In der Folgezeit erfuhren auch andere ethnische Gruppen entsprechend ihrer möglichen politischen Verwertbarkeit in deutschen Augen unterschiedliche Behandlung. 2. Die Turko-Tataren unter den Kriegsgefangenen Im Folgenden soll das Schicksal der turkstämmigen muslimischen Gefangenen näher beleuchtet werden. Hieß es in den bereits vor dem Krieg gegen die Sowjetunion im Mai 1941 vom Wehrmachtsführungsstab ausgearbeiteten ,,Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland" noch: ,,Besonders die asiatischen Soldaten der Roten Armee sind undurchsichtig, unberechenbar, hinterhältig und gefühllos"9, und waren sie daher am Anfang des Krieges besonders benachteiligt und auch antisemitischen ,,Säuberungen" mitunterworfen, als teilweise Muslime ebenso wie Juden allein auf Grund der Tatsache, dass sie beschnitten waren, sofort erschossen wurden, so änderte sich dies bereits nach wenigen Monaten. Propagiert von einzelnen Abteilungen des sog. Ostministeriums (Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete - RMfdbO), vom Außenministerium (AA) und von verschiedenen anderen Reichsstellen, wurde alsbald eine differenzierte und später dann bevorzugte Sichtweise gegenüber diesen Menschen angewendet.10 Dies war einerseits eng verbunden mit den deut) Vgl. auch P. VON ZUR MÜHLEN, Die Nationalitätenfrage im Kriege: das Beispiel der sowjetischen Orientvölker, in: H. SCHAFBANEK, R. STREIBEL (Hg.), 22. Juni 1941: der Überfall auf die Sowjetunion, Wien 1991. 8 ) So im ,,Erlaß über das Kriegsgefangenenwesen im Fall Barbarossa", vgl. STREIT, Keine Kameraden, 73 9 ) ebd., 50. 10 ) Laut der Memoiren Bräutigams fand sich im Anschluss an eine Sitzung im OKW, die Fragen der Kriegsgefangenen erörterte und auf der er selbst sich vehement für die Sache der turko-tatarischen und kaukasischen Kriegsgefangenen ein7 Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg Camilla Dawletschin-Linder Nahrungslosigkeit und vor allem den Wassermangel der ersten Tage, die schlechte und mangelhafte Verpflegung der darauffolgenden Wochen und die Kälte und Nässe, denen er schutzlos ausgeliefert war. Da er im Sommer gefangen genommen wurde, war er noch in Sommeruniform und ohne Mantel. Seine Mütze benutzte er zeitweise als Essgeschirr, da er selbst keines mehr besaß. In den Lagern gab es nicht einmal Unterstände, obwohl ein früher Herbst mit Minusgraden einsetzte; die Kriegsgefangenen gruben vielerorts mit den bloßen Händen Erdlöcher, in die sie sich nachts legten. Er überlebte den menschenunwürdigen Transport im Spätherbst in geschlossenen Viehwagen über Tage hinweg aus Polen bis in deutsches Reichsgebiet. Er überlebte auch, weil er sich auf Anraten von Mitgefangenen nicht als Professor zu erkennen gab, denn es war den gefangenen Offizieren bekannt, dass in dem ideologischen Kampf, der gegen die Sowjetunion geführt wurde, in erster Linie auch die Vernichtung der sowjetischen Intelligenz geplant war. Er überlebte die ,,Aussonderungen" und Erschießungen von Muslimen zusammen mit Juden. Er überlebte Bajonetthiebe deutscher Bewachungssoldaten, die er bekam, wenn er vor Erschöpfung zu langsam marschierte, Schläge der von den Deutschen aus den Reihen der ukrainischen Kriegsgefangenen eingesetzten Lagerpolizei, Denunziationsversuche von Mitgefangenen, die sich für irgendetwas rächen wollten, Strafaktionen der deutschen Lagerleitung, die meist in Essensentzug bestanden, wenn es wieder Fluchtversuche von Gefangenen gegeben hatte. Schließlich überlebte er auch die Flecktyphusepidemie in Bergen-Belsen. Im Mai 1942 wurde er in das Lager Wuhlheide12 verlegt. Die Lager um Berlin herum wurden, wie auch in den eingangs zitierten Erinnerungen beschrieben wird, von in Deutschland lebenden TurkoTataren besucht, die dort nach Landsleuten forschten und bei den deutschen Behörden auf deren Freilassung drangen. Aber auch deutsche Turkologen und Orientalisten besuchten die Lager, um dort ihre linguistischen Studien zu betreiben. Dies konnte selbstverständlich nur mit Genehmigung des OKW geschehen. Ahmet Temir, heute emeritierter ) Dies war das Wehrmachts-Propagandalager Wuhlheide in Berlin-Oberschöneweide, in dem laut einem vom 28. 1. 1943 datierten Rundschreiben ,,Neue Propaganda unter den sowj. Kr. Gef." des OKW ,,geeignete sowjetische Kriegsgefangene, die sich freiwillig zum Einsatz im Kampf gegen den Bolschewismus zur Verfügung stellen" zur Ausübung von Propaganda geschult wurden. Bundesarchiv, Zentralnachweisstelle Aachen, Allgemeine Sammlung, Ordner S 22. Für diesen Hinweis bin ich Rolf Keller, Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung in Hannover, zu Dank verpflichtet. Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg Professor der Universität Ankara, damals ein an der Universität Berlin frisch promovierter Student tatarischer Herkunft aus der Türkei, besuchte im Frühsommer 1942 unter anderen das Lager Wuhlheide, vielleicht, so meint er selbst rückblickend, nachdem er von einem Turkologen den Hinweis bekommen hatte, dass sich dort Landsleute von ihm befanden. Daraufhin setzte er sich - wahrscheinlich über G. v. Mende - für deren Freilassung ein.13 Entweder dieser oder einer ähnlichen persönlichen Initiative im Zusammenspiel mit dem passenden politischen Kalkül auf deutscher Seite verdankte es auch Tamurbek Dawletschin, dass er vier Wochen nach seiner Verbringung nach Wuhlheide in die Freiheit entlassen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch bereits mit Tuberkulose infiziert, einer Krankheit, die sich in den Jahren darauf ebenfalls in den Lagern verbreitete und viele Opfer unter den sowjetischen Gefangenen forderte, und die genauso wie der Flecktyphus auf die unsäglich entbehrungsreichen und mangelhaften Zustände in den Lagern zurückzuführen war. 3. Die turko-tatarischen Emigranten und der Panturanismus Die turko-tatarischen Völker, die zum großen Teil in der Oktoberrevolution die Möglichkeit gesehen hatten, sich aus der russischen Umklammerung zu lösen und selbständige Staaten zu bilden, waren durch die anschließende Bolschewisierung mit allen ihren Folgen ebenso getroffen worden wie die zunächst noch unabhängigen Fürstentümer Turkestans. Noch bis in die 30er Jahre hinein dauerte in manchen Gebieten der militärische Widerstand an. Viele aktive Nationalisten waren emigriert und hatten sich in Europa, in China oder in der Türkei, die ihnen sprachlich und kulturell am nächsten stand, niedergelassen und sich zu verschiedenen Exilorganisationen zusammengeschlossen. Die Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat hatten sie keineswegs aufgegeben. Bereits kurz nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges nahmen turkstämmige Emigranten in europäischen Ländern wie auch in der Türkei ansässige Turko-Tataren mit Einfluss auf türkische offizielle Stellen mit den deutschen Behörden Kontakt auf und sorgten sich um ihre Landsleute in den Gefangenenlagern. Dahinter stand sicher auch der Gedanke, Organisationen aufzubauen, die es dann mit deutscher Hilfe ermöglichen sollten, die Heimatregionen der Turko-Tataren von sowjeti13 ) Schriftliche Mitteilung an die Autorin. Camilla Dawletschin-Linder ) Dieses Thema ist bereits in den 60er Jahren in der DDR von GLASNECK abgehandelt worden, jedoch unter dem damals üblichen Gesichtspunkt der Abrechnung mit Imperialisten und Faschisten und mit der damit verbundenen undifferenzierten Diktion. Die Motive der turkstämmischen Emigranten werden entstellt wiedergegeben und pauschal verurteilt. Mir liegt daran, den Schwerpunkt auf das Schicksal der turkstämmigen Kriegsgefangenen zu legen, was eine deutliche Akzentverschiebung bewirken wird. J. GLASNECK, I. KIRCHEISEN, Türkei und Afghanistan - Brennpunkte der Orientpolitik im Zweiten Weltkrieg, Berlin (Ost) 1968. GLASNECK führt u. a. an, eine Reihe ,,Turanisten betrieben - vom deutschen Geheimdienst bezahlt und im Stile des deutschen Faschismus - von 1941 bis 1944 eine hemmungslose chauvinistische Propaganda, um die türkische Jugend auf den Kampf mit der Sowjetunion vorzubereiten." 105f. Diese im Folgenden nicht belegte Darstellung ist im Übrigen viel zu wenig differenziert, als dass sie unwidersprochen bleiben könnte. Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg territorialen Turanismus an. Die meisten waren Turanisten in dem Sinne, dass sie eine kulturelle und ideelle turko-tatarische Einheit herstellen wollten. Sie lebten in der Türkei und identifizierten sich auch zum großen Teil mit ihrer neuen Heimat, dennoch hofften sie immer darauf, in ihre alte Heimat zurückzukehren, wenn sie von der sowjetischen, und auch von russischer Herrschaft befreit und selbstbestimmt sein würde. Mit dem Appell an das gemeinsame turanistische Erbe versuchten sie die türkische Öffentlichkeit für ihre Ziele zu mobilisieren. Daneben gab es allerdings auch Gruppen und Individuen, die unter dem Einfluss des Nationalsozialismus auf der turanistischen Schiene rassistisches Gedankengut verbreiteten, das nicht anders als faschistisch bezeichnet werden kann und das z.B. auch anti-semitische Züge trug. In der Reihe dieser TurkoRassisten fanden sich jedoch hauptsächlich Türkei-Türken, weniger die turko-tatarischen Emigranten. Diejenigen, die alle turko-tatarischen Emigranten in die rassistisch ausgerichtete turanistische Ecke stellen wollten, wollten sie diffamieren oder sie als rückwärtsgewandte, ideologische Träumer abqualifizieren. Insbesondere in der heutigen Rückschau sieht die Beurteilung etwas anders aus. Inzwischen haben wir erlebt, wie sich nach dem Zerfall der Sowjetmacht die turko-muslimischen Staaten neu oder wiedergebildet haben, es wurde deutlich, welche Anziehungskraft der Nationalismus in diesen Gebieten auch nach Jahrzehnten sowjetischer Herrschaft noch hat und wie die kulturellen Eigenheiten und die religiöse Ausstrahlung des Islam trotz der Jahrzehnte kommunistischer Gegenpropaganda überlebt haben. Dies galt umso mehr für die Emigranten, die während des 2. Weltkriegs versuchten, sich der deutschen Regierung für ihre Zwecke zu bedienen. Sie waren die erste Generation derer, die gegen die Sowjetisierung ihrer Heimat gekämpft und durch den Sieg der Sowjets ihre Heimat verloren hatten. Für sie war alles noch frisch in der Erinnerung, ihre Hoffnung auf Rückkehr und sicherlich auch auf persönliche politische Macht und Einflussnahme erschien real. Sie ersehnten sich die Wiederherstellung eigener und selbständiger Staaten für die einzelnen Turkvölker. Dabei gab es, wie erwähnt, die verschiedensten Ordnungs vor Stellungen, vor allem was das Gebiet Turkestans betraf, das von den Sowjets in fünf verschiedene Republiken aufgeteilt worden war. Daher herrschten insbesondere innerhalb der turkestanischen Emigrantenorganisationen tiefgreifende Differenzen über die politische Zukunft, die sich die deutsche Regierung zum Teil zu Nutze zu machen gedachte. Mit dem alleinigen Ziel der Befreiung ihrer Länder vor Augen waren die Emigranten oftmals blind bei der Wahl ihrer Mittel. Nach der einfachen Maxime ,,Der Feind meines Feindes ist mein Freund" machten sich viele in gutem Glauben zu Camilla Dawletschin-Linder Helfershelfern der Nationalsozialisten. Nur ein kleiner Teil der Emigranten, die in Deutschland aktiv wurden, waren selbst überzeugte Faschisten. Die meisten waren in erster Linie überzeugte Nationalisten, die früher oder später erkennen mussten, mit wem sie sich eingelassen hatten. Sie alle gaben sich der Täuschung hin, der deutsche Sieg über die Sowjetunion, an den sie nur zu lange glauben wollten, würde ihnen zu eigenständigen Staaten verhelfen. Bereits am 25. Juli 1941 lag dem Auswärtigen Amt ein Bericht über die ,,Turko-Tataren in Russland" vor, in dem auch die verschiedenen Emigranten erwähnt wurden, und der zum Ziel hatte, deutsche Stellen anzuregen, unter deutschem Schutz einen selbständigen Staat Turkestan aufzubauen. Bei den vorgeschlagenen Maßnahmen findet sich zum ersten Mal die Erwähnung der Kriegsgefangenen: ,,Die gemachten Gefangenen turko-tatarischer Abstammung sollten zwecks Information sofort nach Berlin gebracht werden."15 Der Autor war Alimcan Idris, ein Tatare aus Sibirien, der sich Prof. Idris nannte, im Auswärtigen Amt als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beschäftigt war und großen Einfluss in diesen Fragen erhielt, obwohl er eine etwas zwielichtige Figur war.16 In diesen ersten Wochen des Krieges nahmen viele Emigranten Kontakt mit dem Außenministerium, mit deutschen Außenstellen, vor allem in der Türkei, oder mit ihnen bekannten turkophilen deutschen Beamten, wie z. B. mit Werner Otto von Hentig, auf. Sie verwiesen auf das Schicksal ihrer Heimatländer unter sowjetischer Herrschaft, gaben der Hoffnung Ausdruck, der deutsche Angriff auf die Sowjetunion würde neue, gerechte politische Verhältnisse schaffen und erbaten dazu deutsche Hilfe. Von den einzelnen Initiativen der turko-tatarischen Emigranten aus der Türkei war jedoch keine erfolgreich. Zum Beispiel hatte Zeki Velidi Togan, ein Baschkire, der eine wechselvolle politische Karriere hinter sich hatte, im Sommer 1941 Deutschland besucht, um sich für seine Landsleute einzusetzen. Er war als führender baschkirischer Nationalist nach dem Zusammenbruch der ersten baschkirischen Republik in die ) BA Potsdam AA Bd. 61174, Bl. 44 Rückseite, Vertraulicher Bericht von A. Idris an AA. 16 ) Alim Idris war bereits während des Ersten Weltkriegs im sog. ,,Weinberglager", einem Sammellager für muslimische Kriegsgefangene in Brandenburg als Imam eingesetzt. Er betätigte sich in den 20er Jahren in verschiedenen muslimischen Gesellschaften in Deutschland, bis er wahrscheinlich bereits 1933 ins Auswärtige Amt kam. Die turko-tatarischen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg Türkei emigriert, hatte sich jedoch mit Atatürk überworfen und lebte daraufhin in den 30er Jahren in Deutschland. Zum Zeitpunkt seiner Intervention für die Kriegsgefangenen war er Professor für Turkologie in Istanbul. Aufgrund seiner früheren politischen Vergangenheit wurde er jedoch von verschiedenen ,,Experten" des Auswärtigen Amts als Verhandlungspartner abgelehnt. Er soll in dieser Zeit in der Türkei eine geheime panturanistisch ausgerichtete Gesellschaft gegründet haben, worüber jedoch bisher noch nichts Zuverlässiges bekannt ist.17 Im November 1941 meldete sich dann erneut ein Fürsprecher für die turkotatarischen Kriegsgefangenen im Auswärtigen Amt. Der vermögende wolga-tatarische Geschäftsmann Ahmet Veli Menger bot an, seine ,,panturanische" Vereinigung werde bei der Registrierung und Feststellung der entsprechenden Kriegsgefangenen helfen, über den Roten Halbmond Nahrungsmittel und Kleidung besorgen und mit Sachverstand den Deutschen zur Seite stehen.18 Auch Menger jedoch war den Deutschen nicht genehm, da er bis zum Krieg ,,Vertreter englischer und jüdischer Firmen" gewesen sei.19 4. Die türkisch-deutschen Beziehungen als weiterer bestimmender Faktor für das Schicksal der Kriegsgefangenen Eng mit der Problematik der turko-tatarischen Kriegsgefangenen in Deutschland und den turko-tatarischen Emigranten verbunden waren auch die türkische Außenpolitik und Teile der politischen und militärischen Machtelite in der Türkei. In diesem Zusammenhang spielten die deutsch-türkischen Beziehungen, vorangetrieben vom deutschen Botschafter in Ankara, Franz von Papen, eine wesentliche Rolle. In der Türkei regten sich mit Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges die deutschfreundlichen Kräfte einerseits und die in eine turanistische Richtung gehenden Kräfte andererseits. Die Türkei war im Krieg neutral geblieben, obwohl sie einen Bündnisvertrag mit Großbritannien ) So C. W. HOSTLER, Turkism and the Soviets, London 1957, 180ff. und 187. Er bezieht sich auf Zeitungsberichte über die Aussagen Togans vor dem Sondergericht im August 1946. Dazu müsste jedoch noch weiter in der Türkei recherchiert werden. 18 ) BA Potsdam AA, Bd. 61174, Bl. 199f Bericht v. Hentigs u.a. an Woermann, 14. 11. 1941. 19 ) So v. Hentig in einem Kurierbericht an das Deutsche Generalkonsulat in Istanbul am 18. 1. 1942. BA Potsdam AA, Bd. 61173/11, Bl. 120. Camilla Dawletschin-Linder unterzeichnet hatte. Mit Deutschland wurde am 18. Juni 1941, unter dem Eindruck des deutschen militärischen Vordringens auf dem Balkan und in Nordafrika und nach dem Coup des deutschfreundlichen Raschid Ali al-Gailani im Irak ein Freundschaftsvertrag abgeschlossen. Der deutsche Botschafter sah diese Konstallation als eine günstige Gelegenheit, um die Türkei auf die deutsche Seite zu ziehen. Franz von Papen, der ehemalige Reichskanzler, nun Botschafter in Ankara, betrieb eine aktive und teilweise auch eigenmächtige Außenpolitik und geriet dadurch mehr als einmal mit dem Reichsaußenministerium und vor allem mit Außenminister Ribbentrop aneinander. Vor allem zwischen Frühsommer 1941 und September 1942, als ihm dies dann ausdrücklich von seiner Dienststelle verboten wurde, setzte v. Papen in seinen Bemühungen um die Position der Türkei auf die turanisch-muslimische Karte. Der Krieg mit der Sowjetunion und die anfänglichen deutschen Erfolge boten diesen Bemühungen die beste Unterstützung. Rückblickend kann man sagen, dass es vor allem der äußerst vorsichtigen, abwartenden und misstrauischen Haltung Ismet Inönüs, des türkischen Präsidenten selbst, zu verdanken war, dass sich die türkische Außenpolitik nicht auf das deutsche Abenteuer einließ. Denn v. Papen und sein Stab waren unermüdlich, und zeitweise waren sowohl der türkische Generalstab, allen voran Marschall Fevzi Qakmak, als auch die türkische Regierung unter §ükrü Sara£oglu - beeindruckt nicht zuletzt durch die deutschen militärischen Erfolge in der Sowjetunion dem deutschen Werben nicht abgeneigt. Natürlich konnte es der Türkei nicht gleichgültig sein, was an ihren Ostgrenzen vor sich ging und vor allem, ob und wie sich dort nach der deutschen Eroberung des Kaukasus neue Staaten etablieren würden. Bereits im Juli 1941 erwähnte der deutsche Botschafter in seinem Bericht an das AA türkische Bemerkungen zu einem anvisierten Pufferstaat an der Ostgrenze; Anfang August äußerte sich der türkische Botschafter in Berlin zum selben Thema, indem er auf das türkische Interesse im Verhältnis zu Azerbaidschan hinwies sowie auf die Tatsache, dass Baku eine türkisch sprechende Stadt sei.20 V Papen erbat am 25. Juli Weisungen, wie er sich gegenüber den ihn aufsuchenden Turko-Tataren, die Deutschland ihre Hilfe gegen die Sowjetunion anboten, verhalten sollte. 

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